Herstellung und Rezepturen

Grundrezeptur: Sprühprodukte

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16. Oktober 2020
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Mareike Peters
Gründerin
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Unter dem Begriff „Sprühprodukt“ versteht man alle kosmetischen, wasserbasierten Erzeugnisse, die so fluide sind, dass sie durch einen Sprühaufsatz fein vernebelt werden können. Von Toner über Mückenspray, After-Sun und Deodorant können vielseitige Produkte entstehen.

Was ist ein Sprühprodukt?

Als „Sprühprodukt“ werden alle Kosmetika bezeichnet, die mithilfe eines Sprühaufsatzes auf die Haut aufgetragen werden. Ein Feuchthaltemittel wie Glycerin verhindert, dass das Produkt im Zeitraum der Haltbarkeitsdauer austrocknet. Als wasserhaltiges Kosmetikum wirkt ein (naturkosmetik-konformes) Konservierungsmittel mikrobiellem Wachstum entgegen.

Aufschlüsselung der Grundrezeptur

70 bis 80 % Feuchtigkeit (Hydrolate, destilliertes Wasser, …)

10 bis 15 % Feuchthaltemittel (Glycerin, …)

0 bis 10 % Wirkstoff (Pflanzenextrakte, …)

1 bis 5 % Konservierungsmittel (Cosgard, Pentylene Glycol)

Folgendes gibt es beispielsweise als Sprühprodukte:

Toner

Ursprünglich als pH-Wert ausgleichendes und erfrischendes Spray gedacht, ist der Toner nun ein multifunktionales Pflegekosmetikum zur Reinigung und Pflege.

Konzentrat

Konzentrate setzen sich aus Pflanzenextrakten zusammen, denen die Eigenflüssigkeit der Pflanze entzogen und mit Hydraten o. Ä. ersetzt wurde. So kann man die Wirkstoffkonzentration erhöhen, ohne den Wirkstoff zu verlieren!

Deodorant

Pflanzliche oder mineralische Sprüh-Deodorants hemmen mit antimikrobiellen und desodorierenden Wirkstoffen die Geruchsbildung. Sie lassen sich leicht herstellen und erreichen bis zu 24 Stunden Wirksamkeit.

Pflegespray

Ein Pflegespray beinhaltet klassischerweise eine geringe Menge an Öl, gelöst mithilfe eines Emulgators. Diese ist leichter als bei einer Lotion oder Emulsion, lässt sich leicht auf die Haut aufsprühen und hinterlässt ein seidiges, nicht-klebendes Hautgefühl.

Mückenspray

Das Mückenspray steht stellvertretend für alle Produkte, die keine Reinigungs- oder Pflegeprodukte sind. Durch Zusätze wie beispielsweise stark riechende Öle anstelle der Wirkstoffe können potente Haushaltssprays entstehen.

Wie wende ich ein Sprühprodukt an?

Adstringierendes Reinigen

Zur Reinigung wird ein Toner auf die Haut aufgesprüht und entsprechend der Wirkdauer der Pflanzenextrakte lässt man ihn einwirken. Nach meist 30 Sekunden sprüht oder schüttet man den Toner auf ein Wattepad und fährt damit über die Haut für eine tiefe Reinigung und porenverfeinernde Wirkung. Der Begriff „porenverfeinernd“ meint jedoch nie, dass Poren tatsächlich größer oder kleiner werden (das ist nicht möglich). Er beschreibt lediglich das anschließende straffende Gefühl auf der Haut.

Erfrischendes Aufsprühen

Manche Inhaltsstoffe bedingen, dass ein Sprühprodukt aufgesprüht und nicht abgewaschen wird. Probiotische Inhaltsstoffe sind ein gutes Beispiel. Dafür sprüht man das Sprühprodukt auf die gereinigte Haut und lässt die Flüssigkeit auf dem Gesicht trocknen.

Welche Zusätze kann ich meinem Sprühprodukt hinzufügen?

1. Pflanzliche Extrakte

Wasser-, alkohol-, oder glycerinbasierte, pflanzliche Extrakte werden als wasserlösliche Wirkstoffe ergänzt. Besonders Glycerin-Extrakte binden die zugeführte Feuchtigkeit und fördern die Barriereschutzschicht der Haut. Die Wahl der Pflanzenextrakte bestimmt, für welchen Hauttyp das kosmetische Erzeugnis später nutzbar sein wird: Rosmarin bei unreiner, Birke bei trockener Haut.

2. Wirkstoffe

Wasserbasierte oder pulvrige Wirkstoffe geben dem Gel den Charakter eines Serums. Pulvrige Bestandteile sollten zuvor in destilliertem Wasser oder Hydrolat aufgelöst und der Feuchtigkeitsanteil von der Wasserphase subtrahiert werden. Folgende beispielhafte Wirkstoffe machen ein Sprühprodukt zu einem potenten Toner:

  • Sodium PCA

  • Allantoin

  • Niacinamide

  • Zink

3. Ätherische Öle und fettlösliche Wirkstoffe

Dosierung der fettlöslichen Wirkstoffe

Bis zu fünf Tropfen ätherisches Öl können einem Gel ohne Weiteres hinzugefügt werden. Die Verwendung ätherischer Öle oder Beduftungsstoffe ist nicht zwingend erforderlich und kann den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Die generelle Richtlinie lautet dabei wie folgt:

Um die Augen: 0 bis 0,1 % Duft oder ätherische Öle
„Leave-on“-Produkte: 0 bis 1 % Duft oder ätherische Öle
„Rinse-off“-Produkte: 0 bis 5 % Duft oder ätherische Öle

Adaptierung der Rezeptur an weitere Fettkomponenten

Fettlösliche Wirkstoffe jedoch lösen sich im Sprühprodukt nicht auf; vielmehr schwimmen sie an der Wasseroberfläche. Nun kann die Formulierung zwei Wege gehen:

  1. Minimalistische „Vor Gebrauch gut schütteln“-Deklaration: Da Wasser und Fett nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mischbar sind, sammelt sich die Fettphase an der Wasseroberfläche. Ein Hinweis auf dem Etikett hilft Konsumenten, die Wasser- und Fettphase zum Gebrauch händisch zu vermengen.

  2. Technisch saubere Lösungsvermittler-Formulierung: Lösungsvermittler wie Solubol oder geringe Mengen Alkohol. Geringe Mengen hydrophober Inhaltsstoffe können so ohne zusätzlichen Emulgator in die Wasserphase eingerührt werden.

Ein Sprühprodukt ohne Konservierungsmittel?

Alle wasserhaltigen Produkte sind anfällig für mikrobielles Wachstum und somit ohne Konservierungsmittel praktisch nicht von langer Haltbarkeit. Damit sich die Mühe der Kosmetikherstellung lohnt und das Produkt nicht nach wenigen Tagen mehr Hautirritationen verursacht, statt zu pflegen, ist eine Konservierung mit naturkosmetisch zugelassenen Konservierern wie Pentylene Glycol oder Cosgard notwendig.

In Ausnahmefällen können Portionen des frisch hergestellten Toners oder Gesichtswassers im Tiefkühlfach eines nur für kosmetische Zwecke genutzten Kühlschranks eingefroren und zur direkten Verwendung aufgetaut werden.

Fallbeispiel

Wir wollen nach dem Grundrezept eine Tonervariation herstellen. Als Feuchtigkeit wählen wir Salbeihydrolat, das Feuchthaltemittel ist Glycerin, als Wirkstoff nehmen wir Nicotinamid und den Schachtelhalm-Extrakt und als Konservierungsmittel Pentylene Glycol.

Hierfür benötigen wir also folgende Dinge:

Rohstoffe

Zubehör

Salbeihydrolat

Formulierungshandbuch

Glycerin

Waage

Nicotinamid

Becherglas

Schachtelhalm, pflanzlicher Extrakt

Messlöffel

Pentylene Glycol

pH-Messstreifen

Tipps & Tricks

Schritt für Schritt

Einen Toner herzustellen erfordert ein wenig Praxis. Versuche zunächst, die Grundrezeptur nachzurühren, und rühre ohne Fettkomponente oder Lösungsvermittler. Steigere dich langsam!

Dokumentation von Erfahrungen

Erinnere dich daran, jeden Erfolg wie auch jede Niederlage deiner Formulierungen zu dokumentieren – diese Erfahrungen bringen dich als Selbstrührer voran!

Konservierung

Nicht alle Hydrolate sind bereits konserviert. Je nach Konservierung des Hydolates ändert sich auch die Einsatzkonzentration des Konservierungsmittels!

Grundrezeptur

Hier ist das Basisrezept, nach dem wir den Toner anrühren. Der Rührvorgang ist in verschiedene Phasen unterteilt, in denen die einzelnen Inhaltsstoffe zum Einsatz kommen. Die Kategorie zeigt uns, welche Funktion der jeweilige Rohstoff innerhalb der Rezeptur übernimmt. Die %-Spalte zeigt, wie viel Prozent des Rohstoffs für die Rezeptur verwendet werden. Diese Angabe ist besonders hilfreich, da sie es einfacher macht, die genaue Grammzahl der Rohstoffe für beliebige Mengen auszurechnen.

Wir wollen heute einen 100 ml Toner anrühren. Dafür brauchen wir von jedem Inhaltsstoff die in der Spalte „gr“ angegeben Mengen.

Oft wiegt man etwas zu viel Rohstoff ein, hierfür ist die Spalte „tM“ gedacht. Dort trägst du die tatsächliche Menge ein, die du einrührst, um dir bei Gefallen des Endprodukts das Nachrühren zu erleichtern.

Phase

Inhaltsstoff

Kategorie

%

gr

tM

A

Salbeihydrolat (mit 5% Pentylene Glycol konserviert)

Basis

84

84

B

Glycerin

Funktional

5

5

B

Schachtelhalm, pflanz. Extrakt

Wirkstoff

3

3

B

Nicotinamid

Wirkstoff

3

3

C

Pentylene Glycol

Funktional

5

5

Solltest du unkonserviertes Hydrolat verwenden, sind es 79,8% Hydrolat und 9,2% Pentylene Glycol.

Anleitung

Folge den Anweisungen. Das Rezept ist in einfache Schritte aufgeteilt.

Schritt 1

Wiege das Hydrolat in einem Becherglas ein.

Schritt 2

Gib das Glycerin, den Schachtelhalm-Pflanzenextrakt und das Nicotinamid hinzu und rühre, bis sich das Nicotinamid aufgelöst hat.

Schritt 3

Folge den Anleitungen zu Pentylene Glycol und konserviere wie vorgegeben mit 5 %.

Schritt 4

Kontrolliere den pH-Wert deines Toners. Wenn du dich daran erinnern möchtest, wie man den pH-Wert kontrolliert, sieh dir erneut unsere Seite zum pH-Wert an.

Geschafft!

Herzlichen Glückwunsch! Du hast deinen ersten Toner nach einer Grundrezeptur angerührt. Jetzt kannst du dich langsam steigern, das heißt, nach jedem Mal Anrühren weitere Wirkstoffe zur Grundrezeptur hinzufügen und so Komplexität aufbauen. Notiere dir auf jeden Fall auch immer deine Fortschritte!

Häufige Fragen

Mein Toner ist trüb

Abhängig von dem verbliebenen Pflanzenmaterial kann es sein, dass Extrakte die Farbe des Toners beeinflussen oder mit kleinen Partikeln versehen. Eine geringe Menge an Partikeln ist sogar wünschenswert, da an den kleinen Stücken viele sekundäre Pflanzenwirkstoffe haften bleiben. Ist der Toner trüb durch Wirkstoffe oder den Lösungsvermittler, sollte sich das Produkt jedoch innerhalb von 24 Stunden aufklaren.

Mein Toner riecht sehr stark

Erinnere dich daran, dass Rohstoffe, insbesondere pflanzliche, einen Eigengeruch haben. Identifiziere den Rohstoff, der stark riecht, und suche dir Alternativen!

Der Toner hinterlässt ein kribbelndes/brennendes Gefühl auf der Haut

Hier haben wir mehrere Möglichkeiten: Hast du den pH-Wert eingestellt? Wie viel ätherische Öle/Alkohol hast du zu deiner Formulierung hinzugegeben? Hast du das naturkosmetische Konservierungsmittel richtig dosiert? Starte mit wenigen Inhaltsstoffen und arbeite dich Schritt für Schritt weiter vor, um unerwünschte Effekte zu vermeiden.

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