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Grundrezepturen

Grundrezeptur: Balsam und Salbe

10 Minuten Lesezeit 23. Oktober 2020 Eine Salbe auf einem Holztablett verteilt.

Ein Balsam ist die Basis vieler Produkte: Lippenstifte, Augencremes, Körpersalben und Apothekercremes.

Die gelernte Produktentwicklerin für Naturkosmetik und angehende Kräuterheilkundlerin kämpft mit NKM für mehr Natur und Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche.

Mareike Peters

NKM-Gründerin

Ein Balsam ist eine wasserfreie Creme, die fettlösliche Wirkstoffe trägt. Sowohl für Lippen und Augen als auch als Träger lipophiler Wirkstoffe ist ein Balsam ein vielseitiges Kosmetikum.


 

Was ist ein Balsam?

Im Gegensatz zu einer Creme ist ein Balsam wasserfrei, er muss demnach nicht konserviert werden, kann jedoch dafür keine wasserlöslichen Wirkstoffe beinhalten. Mithilfe verschiedener Butterarten und Wachsen werden fettlösliche Wirkstoffe verhärtet und so in eine feste Form gebracht.

Aufschlüsselung der Grundrezeptur

20 bis 30 % Basisöle (Mandelöl, Traubenkernöl, Distelöl, …)
20 bis 30 % Butter (Pflaumenkernbutter, Sheabutter, …)
20 bis 30 % Wachs (Bienenwachs, Candelillawachs, …)
0,2 bis 1 % Antioxidanzien (Vitamin E, Rosmarin-Extrakt, …)

 

Welche Zusätze kann ich dem Balsam hinzufügen?

1. Basisöle

Bereits das Basisöl gibt der Ölmischung einen eindeutigen Charakter. Anders als bei kommerzieller Kosmetik, wo oft „leere“ Füllstoff-Öle verwendet werden, legen die Basisöle bereits Vitamine und Fettsäuren auf den Tisch. Jedes Basisöl hat dabei klassische Charakteristika, die in unserem Inhaltsstoff-Glossar nachzulesen sind. Distelöl für unreine, Avocadoöl für reife und Mandelöl für trockene Haut!

2. Wirkstofföle

Anders als Basisöle werden Wirkstofföle nicht singulär und nicht in großen Mengen beigemischt, denn sie sind oxidativ instabil und verderben deswegen schnell. Die hohe Anzahl mehrfach ungesättigter Fettsäuren und die dadurch hohe Wirksamkeit ist dazu nur in Kombination mit penetrierenden Basisölen sinnvoll eingesetzt, da sonst die intensive Pflege nur auf die obersten Hautschichten verschwendet wird. Gut eingesetzt profitiert die Haut von anti-oxidativen, anti-bakteriellen, anti-entzündlichen, anti-aging- oder anti-mykotischen Eigenschaften.

3. Fettlösliche Wirkstoffe

Einige Wirkstoffe sind fettlöslich. Dazu zählen die Vitamine A, D, E und K sowie isoliertes Retinol, Bisabolol oder Alpha-Tocopherol. Hierbei ist eine sinnvolle Stabilisierung durch Antioxidanzien und die empfohlene Einsatzkonzentration des Wirkstoffs ratsam.

4. Ätherische Öle

Bis zu fünf Tropfen ätherisches Öl können einem Gel ohne Weiteres zugefügt werden. Ätherische Öle in geringer Einsatzkonzentration können der Hautgesundheit förderlich sein. Dennoch: Der Gebrauch ätherischer Öle oder von Beduftungsstoffen ist nicht zwingend erforderlich und kann an die individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Die generelle Richtlinien lauten dabei wie folgt:

Um die Augen: 0 bis 0,1 % Duft oder ätherische Öle
Gesicht „Leave-on”-Produkte: 0 bis 1 % Duft oder ätherische Öle
Gesicht „Rinse-off”-Produkte: 0 bis 5 % Duft oder ätherische Öle
Körperpflege: 0 bis 2 % Duft oder ätherische Öle

5. Pigmente

Die Grundrezeptur eines Balsams lässt sich leicht in einen Lippenstift oder in eine Wangenfarbe verwandeln. Bis zu 3 % Pigment lassen sich in die Balsam-Grundrezeptur einarbeiten, ohne dass die Formulierung instabil wird.


 

Ein Balsam ohne Konservierungsmittel?

Wasserfreie Produkte benötigen kein Konservierungsmittel

Da dieses Produkt wasserfrei ist, fehlt ihm die dritte Komponente für mikrobielles Wachstum: die Feuchtigkeit! Daher werden Ölmischungen klassischerweise nicht konserviert. In einigen Fällen ist es trotzdem ratsam, ein fettbasiertes, für Naturkosmetik zugelassenes Konservierungsmittel hinzuzufügen: beispielsweise wenn es sein kann, dass Feuchtigkeit in die Produktverpackung gelangen kann, oder das Produkt in einer feuchten Umgebung wie einer Dusche stehen wird.

Ein Antioxidanz wie Vitamin E sorgt für eine längere Haltbarkeit

 Ein essenzieller Bestandteil einer Ölmischung ist stattdessen ein Antioxidanz wie Vitamin E oder Rosmarin-Extrakt. Sie sorgen für eine längere Haltbarkeit der Ölmischung, indem es die Oxidation der Fettsäuren mit Sauerstoff blockiert. Ohne Vitamin E würde die Ölmischung bei dauerhaftem Kontakt mit Sauerstoff in seine übelriechenden, wirkungslosen Einzelteile zerfallen.


 

 

Fallbeispiel

Wir wollen nach dem Balsam- und Salben-Grundrezept einen Lippenpflegestift herstellen. Als Basisöl nehmen wir dafür Mandelöl, als Butter Pflaumenkernbutter, als Wachs Candelillawachs, und als Antioxidanz Vitamin E.

Hierfür benötigen wir also folgende Dinge:

Rohstoffe
  • Mandelöl
  • Pflaumenkernbutter
  • Candelillawachs
  • Vitamin E
Zubehör
  • Formulierungshandbuch
  • Waage
  • Becherglas
  • Messlöffel

Tipps & Tricks

  • Der Wachsanteil spielt hier eine wichtige Rolle: Abhängig vom Wachsanteil entsteht eine Salbe, die die Haut penetrieren soll, oder ein Lippenpflegestift, der lange auf der Haut aufliegt! Denke auch daran, dass Lippenpflegestifte häufig in der Handtasche getragen werden und Temperaturschwankungen ausgesetzt sind.
  • Beim Befüllen einer Lippenstifthülse gibt es einen Trick: Befülle die Hülse randvoll und lasse den Inhalt antrocknen. Da sich Wärme ausdehnt und Kälte zusammenzieht, entsteht mittig nun ein Loch: Warte, bis das Loch seine Endgröße erreicht, und befülle es erneut. Nutze nun die Oberflächenspannung, um eine Kuppel entstehen zu lassen, und lass diese Kuppel dann vollständig erkalten.

Grundrezeptur

Hier ist das Basisrezept, nach dem wir den Balsam anrühren. Der Rührvorgang ist in verschiedene Phasen unterteilt, in denen die einzelnen Inhaltsstoffe zum Einsatz kommen. Die Kategorie zeigt uns, welche Funktion der jeweilige Rohstoff innerhalb der Rezeptur übernimmt. Die %-Spalte gibt an, wie viel Prozent des Rohstoffs für die Rezeptur verwendet werden. Diese Angabe ist besonders hilfreich, da sie es uns erleichtert, die genauen Gramm der Rohstoff für beliebig gewünschte Mengen auszurechnen.

Wir wollen heute einen 30 ml Balsam in Form eines Lippenpflegestifts anrühren. Hierfür brauchen wir von jedem Inhaltsstoff die in Spalte „gr“ angegeben Mengen.

Oft wiegt man etwas zu viel Rohstoff ein, hierfür ist die Spalte „tM“. Dort trägst du die tatsächliche Menge, die du einrührst, ein, um dir bei Gefallen des Endprodukts, das Nachrühren zu erleichtern.

Phase Inhaltsstoff Kategorie % gr tM
A Mandelöl Basis 39 11,7
A Pflaumenkernbutter Basis 40 12,0
B Candelillawachs Funktional 20 6
C Vitamin E Funktional 1 0.3

Anleitung – Lasst uns gemeinsam rühren!

Folge den Anweisungen. Das Rezept ist in einfache Schritte aufgeteilt.

Wiege das Öl, die Butter und das Wachs in das Becherglas ein und erhitze den Inhalt auf 70 °C.

Gib nun das Vitamin E hinzu und rühre gründlich um.

Fülle deinen Lippenpflegestift in einen kleinen Tiegel oder eine längliche Lippenstifthülse.

Geschafft!

Herzlichen Glückwunsch! Du hast deinen ersten Balsam nach einer Grundrezeptur angerührt. Jetzt kannst du dich langsam steigern, das heißt nach jedem Mal Anrühren weitere Wirkstoffe zur Grundrezeptur hinzufügen und so Komplexität aufbauen. Notiere dir auf jeden Fall auch immer deine Fortschritte.

 

Häufige Fragen

Spiele mit dem Verhältnis von Butter zu Wachs zu Öl. Eine hohe Ölphase macht deinen Balm flüssiger, die Butter cremiger und das Wachs fester. Bedenke, dass einige Butterarten bis zu 24 Stunden lang nachhärten: Bewerte dein Ergebnis also erst nach einem Ruhetag!

Einige Butterarten reagieren empfindlich auf Temperaturschwankungen. Versuche, insbesondere Sheabutter nicht schockartig erkalten zu lassen. Probiere, deinen Balsam zu erhitzen, und rühre ihn vorsichtig beim Auskühlen.

Hier gibt es die Rohstoffe: