Was ist gerade bei uns los Path 6
Moin Hamburg, Servus aus München! Wir haben geöffnet - Besuche uns in unserem neuen NKM Atelier in der Hohe Bleichen 25. Wir freuen uns auf dich! :-)
(x) Schließen
Pflanzen verarbeiten

Wirkstoffe extrahieren

10 Minuten Lesezeit 11. Januar 2021 Selbstgerührte Produkte von NKM Naturkosmetik München.

Pflanzenextrakte werden folgendermaßen hergestellt: Anhand eines Lösungsmittels wie Glycerin oder Alkohol werden wasserlösliche Wirkstoffe aus einer Pflanze entnommen.

Die gelernte Produktentwicklerin für Naturkosmetik und angehende Kräuterheilkundlerin kämpft mit NKM für mehr Natur und Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche.

Mareike Peters

NKM-Gründerin

Wie löst man Wirkstoffe aus einer Pflanze?

Wer nicht nur aus Inhaltsstoffen Hautpflege herstellt, sondern auch aus Pflanzen Inhaltsstoffe generieren möchte, der kommt an der Extraktion nicht vorbei: Dabei wird mithilfe von Lösungsmitteln der wasserlösliche Wirkstoff aus dem Pflanzenmaterial herausgeschwemmt. Da das Lösungsmittel in der Regel im Inhaltsstoff verbleibt, sollte es hautfreundlich sein. Wir nehmen meist Glycerin oder leicht alkoholische Auszugsmittel.

Extrahiert wird meist mithilfe von Glycerin oder Alkohol

Alkoholische Lösungen haben indes den Vorteil, dass sie ein breiteres Wirkspektrum aus dem Pflanzenmaterial herauslösen können: Während Glycerin nur wasserlösliche Wirkstoffe extrahiert, können wässrig-alkoholische Lösungsmittel auch zum Teil fettlösliche Wirkstoffe lösen. Dazu ist ein wässrig-alkoholischer Auszug vergleichsweise lange haltbar.

Extrakte aus frischem Pflanzenmaterial enthalten mehr flüchtige Wirkstoffe, getrocknetes Pflanzenmaterial ist nicht saisongebunden

Idealerweise eignet sich für Extraktionen frisches Pflanzenmaterial, welches vor Ort und zu dieser Jahreszeit wächst und gesammelt wurde. Man nennt dies auch Wildpflanzen-Extraktion. Da Frischpflanzen jedoch einen höheren Wassergehalt aufweisen als getrocknetes Pflanzenmaterial, wird sich dies später im Pflanzenextrakt als ein leicht verändertes Verhältnis von Alkohol zu Wasser widerspiegeln. In der Pharmazie wäre diese Abweichung genau zu berechnen. Da uns an dieser Stelle jedoch ausschließlich der Wirkstoffgehalt interessiert, sei hier nur angemerkt, dass sich ein Antrocknen des Pflanzenmaterials für ein bis drei Tage nach der Sammlung positiv auf den Wassergehalt auswirkt.

Getrocknete Pflanzen hingegen haben den Vorteil, dass sie einen geringeren Wassergehalt aufweisen und die Inhaltsstoffe daher in leicht konzentrierter Form vorliegen. Andersherum muss man hier damit rechnen, dass ein Teil der flüchtigen Inhaltsstoffe nicht mehr vorhanden ist.


 

Alles über die Extraktion

Wer geringe Konzentrationen an hochwertigem Weingeist in seiner Hautpflege duldet, der ist mit der wässrig-alkoholischen Auszugsmethode gut und umfassend bedient. Beispielhaft wird im Folgenden demnach die wässrig-alkoholische Extraktion beschrieben, die ebenso auf Auszüge mit Glycerin anwendbar ist.

Extraktionen geschehen entweder lang und langsam oder kurz und schnell

Damit ist die Länge der Zeit gemeint, in der das Lösungsmittel die Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial herauslöst, und die Art der Zerkleinerungsmethode: Entweder werden die Zellwände zunächst durch Zerkleinerung aufgebrochen und anschließend durch leichtes Schütteln im Lösungsmittel belassen, oder das Pflanzenmaterial wird während der Extraktion weiterhin zerkleinert. In der Praxis findet Letzteres häufigere Anwendung, da die Methode des Zerkleinerns während des Extraktionsprozesses mehr Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial herauslöst.

Je kleiner das Pflanzenmaterial, desto größer ist die Oberfläche des Zellmaterials, aus dem Wirkstoffe gewonnen werden können

Egal ob kurze, schnelle oder längere, langsame Extraktion: Wichtig ist, dass das Pflanzenmaterial gründlich zerkleinert wurde. Dadurch steht dem Lösungsmittel mehr Oberfläche, aus der Wirkstoff entnommen werden kann, zur Verfügung. Das Lösungsmaterial zieht in das Pflanzenmaterial ein und quillt es auf, sodass die Zellinhalte herausgelöst werden können. Wie auch bei der Mazeration stellt sich nach einer Weile ein Gleichgewicht zwischen Lösungsmittel und Pflanzenmaterial ein. Daher sollte es das Ziel sein, stets ungesättigtes Lösungsmittel zum Pflanzenmaterial zu befördern, um möglichst viel Wirkstoff zu erhalten. Dies geht durch Schütteln oder Rühren.


 

Schnell extrahieren ‒ eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Du benötigst

Rohstoffe Zubehör
Destilliertes Wasser 1 x großes Becherglas (oder Marmeladenglas)
Weingeist oder Glycerin 1 x Stabmixer
Pflanzenmaterial 1 x Feinwaage
1 x Messlöffel
1 x Sieb oder Filter
1 x Isopropylalkohol (zur Desinfektion)
1 x Handschuhe

 

Damit das Öl eine hohe Fläche hat, um die Wirkstoffe auszuschwemmen, muss das Pflanzenmaterial zerkleinert werden. Es kann auch hilfreich sein, die Pflanze kurz zu mörsern, um die Zellwände aufzubrechen. Wiege das Pflanzenmaterial in das Becherglas ein.

Frisches Pflanzenmaterial sollte in zerkleinertem Zustand einen Tag lang getrocknet werden, um den Wasseranteil im Pflanzenmaterial zu senken. Idealerweise wird das Pflanzenmaterial bereits an einem trockenen Tag gesammelt. So wird die Gefahr einer Schimmelbildung verringert.

Generell gilt, dass frisches Pflanzenmaterial mehr flüchtige Bestandteile enthält als getrocknetes, die Schimmelgefahr bei frischem Pflanzenmaterial jedoch deutlich höher liegt.

 

Jetzt muss das gesamte Pflanzenmaterial mit ausreichend Lösungsflüssigkeit übergossen werden. Achte darauf, die Größe des Becherglases nicht zu klein zu wählen, sodass auch beim Zerkleinern mit dem Stabmixer nichts über den Rand hinausläuft. Nun kannst du den Inhalt des Becherglases bis zu einer Woche ziehen lassen und ab und an mehrmals kräftig schwenken – oder aber direkt zu Schritt 3 übergehen.

Zerkleinere das Pflanzenmaterial im Lösungsmittel für fünf bis zehn Minuten mit dem Stabmixer. Ein kaltes Wasserbad kann dabei helfen, dass die Temperatur im Becherglas die Handwärme nicht überschreitet (< 40 °C).

Lass das Becherglas nun für gut einen Tag licht- und wärmegeschützt stehen, sodass die Schwebstoffe sedimentieren können. Nach 24 Stunden sollten alle Schwebstoffe auf den Grund des Becherglases gesunken sein.

Entnimm den Pflanzenextrakt nun vorsichtig aus dem Becherglas, idealerweise mit einer großen Pipette. Filtriere den Pflanzenextrakt mit einem Leinentuch, einem Kaffeefilter oder mithilfe des Unterdrucks einer Glasnutsche mit Peleusball.

Fülle den Pflanzenextrakt am besten in eine Braunglasflasche und beschrifte diese sorgfältig.

Tipps & Tricks

Für den Anfang reicht es, mit 70 Volumenprozent Alkohol zu extrahieren. In der Literatur sind jedoch Spezifikationen zu bestimmten Extraktionstypen gelistet, die nach Substanz des Pflanzenmaterials oder der gewünschten sekundären Pflanzenstoffe unterschieden werden:

  • Blüten und Blätter: 30 bis 55 Volumenprozent Alkohol
    Wurzeln und Holz: 55 bis 70 Volumenprozent Alkohol
  • Schleimstoffe, Glucoside, Saponine, Alkaloide: 20 bis 40 Volumenprozent Alkohol
    Bitterstoffe, Gerbstoffe: 30 bis 50 Volumenprozent Alkohol
    Flavonide: 50 Volumenprozent Alkohol
    Cumarine, Scharfstoffe, ätherische Öle: 50 bis 70 Volumenprozent Alkohol
  • Orientiere dich zum Umrechnen des Volumenprozent Alkohol gerne an der Seite „Volumenprozent umrechnen“. Quelle: Cornelia Stern
  • Wie im Antimikrobiellen Toner erkennbar können kleinste Partikel im Pflanzenextrakt verbleiben. Hier scheiden sich die Geister: Puristen und Technikfreunde lieben klare, rückstandslose Pflanzenextrakte, während ich persönlich Extrakte mit Schwebstoffen präferiere. Meiner Meinung nach überwiegen hier die Vorteile der an den Schwebstoffen haftenden Wirkstoffe.
  • Saponine sind schaumbildende sekundäre Pflanzenwirkstoffe, die dafür sorgen können, dass sich bei der Zerkleinerung Schaum bildet. Das ist, besonders bei Pflanzen wie der Kastanie, normal und kein Hinweis auf Spülmittelreste!
  • Bei alkoholischen Extrakten sollte die empfohlene Einsatzkonzentration 5 % nicht übersteigen, weil sonst der Alkoholgehalt zu hoch und, bei einer Emulsion, die Stabilität der Creme beeinflusst werden kann.
  • Orientiere dich am NKM Inhaltsstoff-Glossar, um die für deinen Hautzustand zutreffenden Extrakte und Pflanzenmateriale herauszufinden!

Hier gibt es die Produkte: