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Über sauberes Arbeiten

Naturkosmetik ganz ohne Konservierungsmittel

5 Minuten Lesezeit 28. Oktober 2020 Selbst gerührte Kosmetik in einem schönen Glasbehälter.

Es klingt verlockend: Naturkosmetik ganz ohne Konservierungsmittel. Dabei sind naturkosmetische Konservierungsmittel etwas völlig anderes als Parabene, und vollständig konservierungsmittelfreie Kosmetik ist oft fatal für die Hautgesundheit.

Die gelernte Produktentwicklerin für Naturkosmetik und angehende Kräuterheilkundlerin kämpft mit NKM für mehr Natur und Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche.

Mareike Peters

NKM-Gründerin

Kann man bei selbst hergestellter Kosmetik das Konservierungsmittel weglassen?

Diese Frage finde ich sehr nachvollziehbar: Wir sind doch alle gegen ungewünschte Zusätze, denn sonst würden wir uns wohl kaum den Zeitaufwand und die Mühe machen, Kosmetik selbst herzustellen weil uns der kommerzielle Standard nicht ausreicht.

Bei eindeutiger Unterscheidung zwischen schlecht und gut ist der Verzicht leicht möglich

In der Gruppe der Parabene beispielsweise gibt es viele hormonell wirksame, für den Menschen bioverfügbare Stoffgruppen. Und während einige Formen bereits verboten wurden, sind andere in der Kosmetikindustrie noch verfügbar. Für mich steht es außer Frage, dass ich wegen dieser Ungewissheit Parabene durch sanftere Konservierungsmethoden ersetze. Denn so habe ich wieder auf einen weiteren ungewünschten Inhaltsstoff verzichtet.

Konservierungsmittel ist nicht gleich Konservierungsmittel

Pentylene Glycol und Parabene jedoch haben den selben Überbegriff: Konservierungsmittel! Die Crux wird deutlich: Während ich auf das Konservierungsmittel Paraben verzichte, ist Pentylene Glycol für ein mikrobiell einwandfreies Produkt für mich unverzichtbar. Pentylene Glycol ist ein sogenanntes multifunktionales Additiv: Während es der Haut Feuchtigkeit spendet, reguliert es gleichzeitig die mikrobielle Belastung. Der Begriff „Konservierungsmittel“ ist demnach zu weit gefasst, und eine Differenzierung eines möglichen Verzichts ist notwendig.

Konservierungsmittelfreie Hautpflege bewirkt nach wenigen Tagen eine gegenteilige Wirkung zu der gewünschten.

Geht es trotzdem auch ohne Konservierungsmittel?

Es ist auch möglich, bei einem wasserbasierten Produkt wie einer Creme vollständig auf Konservierungsmittel zu verzichten, vorausgesetzt:

  • es werden Kleinstmengen der Hautpflege produziert,
  • es wird einwandfrei und fast steril produziert,
  • die Creme wird portionsweise eingefroren und erst zur Benutzung aufgetaut,
  • die Portionen werden nicht mit den Fingern, sondern mit einem desinfizierten Spatel entnommen und
  • die Creme wird vor allen Umwelteinflüssen wie Spritzwasser, Dampf, Licht und Wärme geschützt.

 

Wie funktioniert ein Konservierungsmittel?

Die mikrobielle Belastung beschreibt die Anzahl und Vermehrung von Mikroorganismen in einem Hautpflegeprodukt. Als Naturkosmetiker haben wir da eine schwierigere Aufgabe als die chemisch-synthetische Kosmetik: Durch die Natürlichkeit der Rohstoffe, die pflanzlichen Wirkstoffe mit enthaltenem organischem Leben, was für uns ja ein gewollter Aspekt der Hautpflege ist, „lebt“ das Produkt natürlich stärker als unendlich haltbare Materie.

Ein Konservierungsmittel kann das Wachstum von Mikroorganismen hemmen

Stellen wir uns das Konservierungsmittel wie einen Oktopus vor: Das Konservierungsmittel hat eine bestimmte Anzahl freier Enden, mit denen es Mikroorganismen „greifen“ und unschädlich machen kann. Bei einer geringen mikrobiellen Belastung hat der Oktopus drei von acht Armen mit Mikroorganismen besetzt und noch fünf weitere Arme frei. Diese „Arme“ benötigt er beim Gebrauch des kosmetischen Produkts, wenn beispielsweise durch die Entnahme mit dem Finger weitere Mikroorganismen in den Tiegel befördert werden.

Ein Konservierungsmittel ist nur bei einer geringen Grundkontamination wirksam

Bleiben wir bei dem Oktopus-Bild: Sind alle acht Arme sämtlicher integrierten Oktopus-Konservierungsmittel besetzt, wird das Konservierungsmittel handlungsunfähig. Mikroorganismen können sich dann ungehindert ausbreiten. Daher ist sauberes Arbeiten so wichtig: Hält man die mikrobielle Belastung von Beginn an gering, ist die Konservierung am effektivsten.

Tipps & Tricks

  • Wasserfreie Produkte benötigen kein Konservierungsmittel, denn ihnen fehlt die dritte Komponente neben Licht und Wärme für mikrobielles Wachstum: Feuchtigkeit! Könnte das Produkt jedoch in Kontakt mit Feuchtigkeit geraten, ein wasserfreies Reinigungsöl für die Dusche beispielsweise, ist es ratsam, trotzdem ein fettbasiertes Konservierungsmittel einzusetzen.
  • Auch W/O-Emulsionen müssen konserviert werden, trotz der Einschleusung des Wassermoleküls in Fettmolekülen. Bei längerem Gebrauch kann es sein, dass sich einige Verbindungen lösen, die Feuchtigkeit austritt und mikrobielles Wachstum entsteht.
  • Achte auf die Gebrauchsanweisung des Herstellers, denn verschiedene Konservierungsmittel sind für verschiedene Produkttypen gedacht. Während ich mit Pentylene Glycol vielseitig konserviere, ist Cosgard besser für Emulsionen geeignet – ist dafür jedoch pH-unabhängiger.

Hier gibt es die Produkte: