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Pflanzen verarbeiten

Mazerieren

10 Minuten Lesezeit 29. Oktober 2020 Selbstgerührte Kosmetik von NKM Naturkosmetik München.

Eine häufig angewendete und verlässliche Methode, um die Wirkstoffe aus einer Pflanze zu gewinnen, ist die Mazeration. Lerne hier, wie es geht!

Die gelernte Produktentwicklerin für Naturkosmetik und angehende Kräuterheilkundlerin kämpft mit NKM für mehr Natur und Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche.

Mareike Peters

NKM-Gründerin

Wie löst man Wirkstoffe aus einer Pflanze?

Wer nicht nur aus Inhaltsstoffen Hautpflege herstellen, sondern auch aus Pflanzen Inhaltsstoffe generieren möchte, kommt an der Mazeration nicht vorbei: Dabei werden Pflanzenteile in Lösungsmittel eingelegt. „Mazerare“ ist das lateinische Wort für „aufweichen“: Nachdem das Lösungsmittel das Pflanzenmaterial aufgeweicht hat, können sich die Wirkstoffe aus der Pflanze herauslösen.

Die Mazeration ist eine der ältesten Vorgehensweisen, um aus Pflanzen Wirkstoffe zu extrahieren

Schon seit Hunderten von Jahren verwenden Menschen die Mazeration, um sich die Natur nutzbar zu machen: Die ursprünglichen Auszugsmittel, um Wirkstoffe aus Pflanzen zu ziehen, sind Wasser, Zucker und Alkohol.

Öl löst Öl, Glycerin löst wasserlösliche Wirkstoffe, und Alkohol löst unterschiedlichste Wirkstoffarten

Die Wahl des Lösungsmittels ist dabei maßgeblich verantwortlich für die Art der gelösten Wirkstoffe. So kann auch kontrolliert werden, welche Wirkstoffe sich aus dem Pflanzenmaterial lösen: Gerbstoffe sind in Öl nahezu unlöslich, durch Alkohol jedoch leicht löslich. Und es ergeben sich unterschiedliche Arten der Weiterverarbeitung: Ein Ölmazerat ist ausschließlich für fetthaltige Rezepturen nutzbar; andersherum sind Glyzerite, so nennt man Auszüge aus Glycerin, nicht nutzbar für Ölmischungen.


 

Alles über die Ölmazeration

Beispielhaft soll hier nun die Ölmazeration beschrieben werden, denn sie ist die von Selbstrührern am häufigsten verwendete Methode. Ölmazerate sind mehrere Monate haltbar und können vielseitig eingesetzt werden.

Die Ölmazeration läuft entweder schnell und heiß oder langsam und kalt ab

Wobei die langsame, kalte Mazeration bevorzugt werden sollte, da bei dieser die hitzeempfindlichen Bestandteile erhalten bleiben. Dazu wird das Pflanzenmaterial stark verkleinert und zieht bei Zimmertemperatur ungefähr vier Wochen lang. Bei der heißen, schnellen Extraktion hingegen köcheln die zerkleinerten Pflanzenteile lediglich für ein paar Stunden auf dem Herd. Üblicherweise nutzt man die heiße Extraktion für stark wasserhaltige Pflanzenmaterialien, Rinden oder Hölzer.

Es werden fettlösliche Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial gelöst

Nicht jeder Wirkstoff ist fettlöslich: Viele Vitamine beispielsweise lösen sich nur in Wasser. Die folgende Übersicht soll dir einen Überblick über die zu lösenden Wirkstoffe geben:

  • Carotinide
  • Flavonide
  • Phytosterine
  • Vitamine E, D, K und A
  • ätherisches Öl

Informiere dich im NKM Inhaltsstoffe-Bereich, welche Pflanzen fettlösliche Wirkstoffe enthalten!


 

Mazerieren – eine Schritt für Schritt Anleitung

Du benötigst

Rohstoffe Zubehör
Destilliertes Wasser 1 x großes Becherglas (oder Marmeladenglas)
Weingeist oder Glycerin 1 x Stabmixer
Pflanzenmaterial 1 x Feinwaage
1 x Messlöffel
1 x Sieb oder Filter
1 x Isopropylalkohol (zur Desinfektion)
1 x Handschuhe

 

Damit das Öl eine große Fläche, hat um die Wirkstoffe auszuschwemmen, muss das Pflanzenmaterial zerkleinert werden. Es kann auch hilfreich sein, die Pflanze kurz zu mörsern, um so die Zellwände aufzubrechen! Wiege das Pflanzenmaterial in das Becherglas ein.

Frisches Pflanzenmaterial sollte im zerkleinerten Zustand einen Tag lang getrocknet werden, um den Wasseranteil im Pflanzenmaterial zu senken. Idealerweise wird das Pflanzenmaterial bereits an einem trockenen Tag gesammelt. So wird die Gefahr von Schimmelbildung verringert.

Generell gilt, dass frisches Pflanzenmaterial mehr flüchtige Bestandteile enthält als getrocknetes. Die Schimmelgefahr bei frischem Pflanzenmaterial ist jedoch auch deutlich höher.

Nun muss das gesamte Pflanzenmaterial mit ausreichend Öl übergossen werden. Achte darauf, dass das Pflanzenmaterial nicht über die Oberfläche hinausragt, und beschwere das Pflanzenmaterial gegebenenfalls mit einem schweren Gegenstand. Das ist wichtig, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Die Wahl des Auszugsöl wird maßgeblich von der oxidativen Stabilität bestimmt: Wirkstofföle wie Wildrosenöl sind überhaupt nicht geeignet, da diese bereits ohne Mazerationseinwirkung sehr instabil und nicht lange haltbar sind. Gut geeignete Öle sind z. B. Mandelöl, Traubenkernöl, Sonnenblumenöl oder Distelöl.

Bitte verwendet natives, kaltgepresstes Öl – möglichst in Bioqualität!

Nun schreitet die Mazeration für ein, zwei Wochen bei Zimmertemperatur und lichtgeschützt voran. Man kann sich die Mazeration dabei vorstellen wie ein Geben und Nehmen: Das Pflanzenmaterial gibt Wirkstoffe an das ihm am nächsten gelegene Öl ab. Ist ein Sättigungsgleichgewicht erreicht, so stoppt dieser Geben-Nehmen-Prozess, bis an das Pflanzenmaterial wieder ungesättigtes Öl gelangt und weitere Wirkstoffe abgegeben werden können.

Unterstützen kann man den Mazerationsprozess, indem man das Öl mehrmals täglich vorsichtig bewegt: Dadurch wird frisches Öl an das Pflanzenmaterial gespült, bei dem noch kein Sättigungsgleichgewicht entstehen konnte. Außerdem wird so das Schimmelpotenzial verringert. Eventuell entstehendes Kondenswasser sollte aus diesem Grund mit einem sauberen Tuch entfernt werden.

Bitte stellt eure Mazeration nicht in die Sonne. Zimmertemperatur ist für die Mazeration vollkommen ausreichend. Die Sonnenstrahlen würden lediglich die Zersetzung des Öls unterstützen und so die Qualität der Mazeration mindern.

Nach ungefähr zwei Wochen wird das Öl dann mithilfe eines Nussbeutels oder Baumwolltuchs abgeseiht. Man merkt, dass der Geruch nun leicht an das Pflanzenmaterial erinnert und die Farbe sich eventuell etwas verändert hat. Ich filtriere gerne zunächst mithilfe eines Nussmilchbeutels und anschließend mit einem Filter. So werden auch die kleinsten Schwebstoffe des Pflanzenmaterials entfernt.

Fülle das Ölmazerat möglichst in eine Braunglasflasche und beschrifte es sorgfältig.

Tipps & Tricks

  • 0,1 % des fettlöslichen Antioxidans Vitamin E helfen, genau wie bei einer Ölmischung, die Zersetzungsprozesse im Öl zu stoppen, und verhindern verfrühtes Ranzigwerden.
  • Auch sehr sorgfältig hergestellten Mazerate sind meist nur bis zu 12 Monate haltbar. Bei längerer Aufbewahrung zeigt sich ein eindeutiger Wirkstoffabfall.
  • Orientiere dich am NKM Inhaltsstoff-Glossar, um mehr über die zu deinem Hautzustand passenden Öle und Pflanzenmateriale herauszufinden!

Hier gibt es die Produkte: