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Grundrezepturen

Grundrezeptur: Gel

20. Oktober 2020 Mareike mit dem fertig gerührten Algen-Hyaluron-Serum.

Ein Gel ist die Basis vieler Produkte: Duschgels, Shampoos, Seren und Reinigungsgels haben alle als Rezept dieselbe Grundstruktur.

Die gelernte Produktentwicklerin für Naturkosmetik und angehende Kräuterheilkundlerin kämpft mit NKM für mehr Natur und Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche.

Mareike Peters

NKM-Gründerin

Wer weiß, wie man ein Gel formuliert, kann dieses Wissen anschließend so vielseitig einsetzen! Je nachdem, was der Gelbasis hinzugefügt wird, kann alles – vom Augengel bis zum Duschgel – entstehen.


 

Was ist ein Gel?

Bei einem Gel wird Feuchtigkeit wie Wasser oder ein Hydrolat mithilfe von Verdickungsmitteln wie Xanthan gebunden. Ein Feuchthaltemittel wie Glycerin verhindert, dass das Gel über die Haltbarkeitsdauer austrocknet. Als wasserhaltiges Kosmetikum verhindert ein (naturkosmetikkonformes) Konservierungsmittel mikrobielles Wachstum.

Aufschlüsselung der Grundrezeptur

70 bis 80 % Feuchtigkeit (Hydrolate, destilliertes Wasser, …)
10 bis 15 % Feuchthaltemittel (Glycerin, …)
0,1 bis 2 % Verdickungsmittel (Xanthan, …)
1 bis 5 % Konservierungsmittel (Cosgard, Pentylene Glycol)

Welche Zusätze kann ich dem Gel hinzufügen?

1. Tenside (> 5 %)

Eine Tensid-Mischung kann Tensideigenschaften wie Schaumbildung, Viskosität, Waschaktivität und Pflegeverhalten regulieren und beeinflussen. Unterschieden wird in die günstigeren anionischen, fettalkoholbasierten Sulfate sowie in die hochwertigeren aminosäurebasierten Tenside. Letztere sind meist ein Qualitätshinweis.

Tenside machen aus dem Gel ein Reinigungsprodukt. Die Wahl des Tensids bestimmt, was aus dem Gel wird:

  • Duschgel,
  • Reinigungsgel,
  • sanftes Gel,
  • Shampoo,
  • Peelinggel,
  • oder sogar Reinigungsmittel.

2. Pflanzliche Extrakte

Wasser-, alkohol-, oder glycerinbasierte, pflanzliche Extrakte werden als wasserlösliche Wirkstoffe ergänzt. Besonders Glycerinextrakte binden die zugeführte Feuchtigkeit und fördern die Barriereschutzschicht der Haut. Die Wahl der Pflanzenextrakte bestimmt, für welchen Hauttyp das kosmetische Erzeugnis später nutzbar sein wird: Rosmarin bei unreiner, Birke bei trockener Haut.

3. Wirkstoffe

Wasserbasierte oder pulvrige Wirkstoffe geben dem Gel den Charakter eines Serums. Pulvrige Bestandteile sollten zuvor in destilliertem Wasser oder Hydrolat aufgelöst und die Menge Feuchtigkeit von der Wasserphase substrahiert werden. Folgende beispielhafte Wirkstoffe machen ein Gel zu einem potenten Serum:

  • Sodium PCA
  • Allantoin
  • Niacinamide
  • Zink

4. Fettlösliche Wirkstoffe

Die Grundlage als wasserbasiertes Produkt ohne Emulgator erlaubt nur wenig Spielraum an fettlöslichen Wirkstoffen. Zu viel davon würde sich auf der Wasseroberfläche sammeln. Drei Wege erlauben trotzdem das Einrühren fettlöslicher Wirkstoffe:

  • Alkohol: Wer alkoholische Pflanzenextrakte wählt, kann durch die geringe Menge Alkohol als Lösungsvermittler auch geringe Mengen fettlösliche Wirkstoffe einrühren.
  • Lethicin: Isolierte Lethicine bestehen meist aus Soja. Sie können geringe Mengen Öl ohne großen Aufwand in einem wasserbasierten Produkt lösen.
  • Ein Gel als Emulsion: Leichte Fluide wirken wie ein Gel, sind jedoch formuliert wie Emulsionen mit minimaler Fettphase und Emulgator. So können größere Mengen fettlöslicher Wirkstoffe verarbeitet werden. Je größer der Anteil der fettlöslichen Wirkstoffphase, desto cremiger das Fluid.

5. Ätherische Öle

Bis zu fünf Tropfen ätherisches Öl können einem Gel ohne Weiteres zugefügt werden. Der Gebrauch ätherischer Öle oder Beduftungsstoffe ist jedoch nicht zwingend erforderlich und richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen. Die generelle Richtlinie lautet dabei wie folgt:

  • Um die Augen: 0 bis 0,1 % Duft oder ätherische Öle
  • „Leave-on“-Produkte: 0 bis 1 % Duft oder ätherische Öle
  • „Rinse-off“-Produkte: 0 bis 5 % Duft oder ätherische Öle

 

Ein Gel ohne Konservierungsmittel?

Alle wasserhaltigen Produkte sind anfällig für mikrobielles Wachstum und haben somit ohne Konservierungsmittel praktisch keine Haltbarkeit. Damit sich die Mühe der Kosmetikherstellung lohnt und das Produkt nicht nach wenigen Tagen mehr Hautirritationen verursacht als es pflegt, ist eine Konservierung mit naturkosmetisch zugelassenen Konservierern wie Pentylene Glycol oder Cosgard notwendig.

In Ausnahmefällen können Portionen des frisch hergestellten Gels im Tiefkühlfach eines nur für kosmetische Zwecke genutzten Kühlschranks eingefroren und zur direkten Verwendung aufgetaut werden.


 

Fallbeispiel 

Wir wollen nach dem Grundrezept ein Gel herstellen. Als Feuchtigkeit wählen wir Kamillenhydrolat, das Feuchthaltemittel ist Glycerin, das Verdickungsmittel Xanthan und das Konservierungsmittel Pentylene Glycol.

Hierfür benötigen wir also folgende Dinge:

Rohstoffe
  • Kamillenhydrolat
  • Glycerin
  • Xanthan transparent
  • Pentylene Glycol
Zubehör
  • Formulierungshandbuch
  • Waage
  • Becherglas
  • Messlöffel
  • pH-Messstreifen
  • Milchsäure

Tipps & Tricks

  • Ein Gel herzustellen erfordert ein wenig Praxis. Versuche zunächst, die Grundrezeptur nachzurühren und das Ergebnis als Gel für die Befeuchtung der Augenregion zu verwenden. Probiere erst dann, dein Gel zu variieren.
  • Erinnere dich daran, jeden Erfolg wie auch jede Niederlage bei deinen Formulierungen zu dokumentieren – diese Erfahrungen bringen dich als Selbstrührer schnell weiter!
  • Nicht alle Hydrolate sind bereits konserviert. Je nach Konservierung des Hydolates ändert sich auch die Einsatzkonzentration des Konservierungsmittels!

Grundrezeptur

Hier ist das Basisrezept, nach dem wir das Gel anrühren. Der Rührvorgang ist in verschiedene Phasen unterteilt, in denen die einzelnen Inhaltsstoffe zum Einsatz kommen. Die Kategorie zeigt uns, welche Funktion der jeweilige Rohstoff innerhalb der Rezeptur übernimmt. Die %-Spalte zeigt, wie viel Prozent des Rohstoffs für die Rezeptur verwendet werden. Diese Angabe ist besonders hilfreich, da sie es uns erleichtert, die genauen Grammzahlen der Rohstoffe für beliebig gewünschte Mengen auszurechnen.

Wir wollen heute ein 30 ml Gel anrühren. Hierfür brauchen wir von jedem Inhaltsstoff die in Spalte „gr“ angegeben Mengen.

Oftmals wiegt man etwas zu viel Rohstoff ein, hierfür ist die Spalte „tM“. Dort trägst du die tatsächliche Menge, die du einrührst, ein, um dir bei Gefallen des Endprodukts das Nachführen zu erleichtern.

Phase Inhaltsstoff Kategorie % gr tM
A Kamillenhydrolat (mit 5% Pentylene Glycol konserviert) Basis 89 26,7
A Pentylene Glycol Funktional 5 1,5
B Xanthan Funktional 1 0,3
B Glycerin Funktional 5 1,5

Solltest du unkonserviertes Hydrolat verwenden, sind es 84,55 % Hydrolat und 9,45% Pentylene Glycol.

Anleitung – Lasst uns gemeinsam rühren!

Folge den Anweisungen. Das Rezept ist in einfache Schritte aufgeteilt.

Wiege das Glycerin und das Xanthan in ein Becherglas ein und verrühre beides gründlich.

Gib langsam das Hydrolat hinzu und rühre gründlich, bis ein Gel entstanden ist.

Folge den Anleitungen zu Pentylene Glycol und konserviere wie vorgegeben mit 5 %.

Kontrolliere den pH-Wert deines Gels. Wenn du dich daran erinnern möchtest, wie man den pH-Wert kontrolliert, sieh dir noch einmal unsere Seite zum pH-Wert an.

Geschafft!

Herzlichen Glückwunsch! Du hast dein erstes Gel nach einer Grundrezeptur angerührt. Jetzt kannst du dich langsam steigern, nach jedem Mal Anrühren weitere Wirkstoffe zur Grundrezeptur hinzufügen und so Komplexität aufbauen. Notiere dir auf jeden Fall auch immer deine Fortschritte!

 

 

Häufige Fragen

Abhängig vom verwendeten Verdickungsmittel kann das Gel auch nach 24 oder 48 Stunden noch nachdicken. Passe die verwendete Menge des Verdickungsmittels an den jeweiligen Inhaltsstoff an.

Spiele mit den Prozentangaben deines Verdickungsmittels. Bei Xanthan beispielsweise haben 0,1 % bereits einen großen Effekt!

Beim Rühren mit dem Aufschäumer wird Luft in das Gel eingeschleust. Rühre die Luft langsam mit dem Messlöffel heraus. Ist dein Gel trüb, weil du fettlösliche Wirkstoffe in dein Öl gerührt hast? Zu viele ölhaltige Inhaltsstoffe machen dein Gel instabil.

Hohe Mengen an Glycerin haben ab 30 % einen genau umgekehrten, unerwünschten Effekt: Statt Feuchtigkeit zu spenden, trocknet es aus. Addiere sowohl das singuläre Glycerin als auch den Glycerinanteil deiner Pflanzenauszüge und reduziere den Glyceringehalt.

Hier gibt es die Rohstoffe:

und unsere NKM-Produkte auf Gelbasis