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Technisches zur Produktentwicklung

Guide für dein eigenes Rezept

8 Minuten Lesezeit 27. Oktober 2020 Mareike mit ihrem Rezeptehandbuch.

Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft dir dabei, das Ziel und die erwünschte Wirkung deines Pflegeprodukts zu erreichen.

Die gelernte Produktentwicklerin für Naturkosmetik und angehende Kräuterheilkundlerin kämpft mit NKM für mehr Natur und Nachhaltigkeit in der Kosmetikbranche.

Mareike Peters

NKM-Gründerin

Im Zentrum des Interesses steht nicht der einzelne Inhaltsstoff, sondern die Mischung und das Zusammenspiel aller Ingredienzen. Damit das Kosmetikum am Ende die gewünschte Wirkung erzielt, hilft es, vorab seinen Sinn und Zweck zu definieren.

Ein Rezept-Leitfaden

Definiere, welches Produkt du herstellen möchtest: Wird es ein Lippenstift, ein Serum, eine Ölmischung, eine Körpercreme oder ein Reiniger?

Orientiere dich an den Grundrezepturen. Dazu musst du deine Produktidee auf die Grundstruktur untersuchen und dir das entsprechende Grundrezept zu Hilfe nehmen (Lippenstift hat als Basis einen festen Balm, d. h. die Grundrezeptur ist „Balsam und Salbe“).

Definiere, welches Ziel und welchen Zweck das Produkt haben soll: Soll es Mücken abwehren? Soll es die Haut nähren und pflegen, und wenn ja, soll es liften oder regenerieren? Soll es Feuchtigkeit spenden, beruhigen oder Entzündungen lindern?

Notiere dir folgende Eckdaten: 

  • Alter: Ist es ein Produkt für Babys oder für reife Haut?
  • Wirkungsweise: Soll es beruhigen, regenerieren, reinigen, Make-up entfernen oder glätten?
  • Stimmung: Soll es entspannen oder anregen?
  • Hautzustand: Ist es für unreine, trockene, reife oder entzündete Hautzustände gedacht?
  • Besonderheiten: Hast du einen besonderen Anlass oder eine besondere Zielgruppe im Kopf, z. B. ein Produkt zum Christopher Street Day, für Sportler oder für Allergiker?

Die Definition des Themas definiert die Auswahl der Rohstoffe

Ein Produkt gegen Unreinheiten enthält typischerweise: Distelöl, Kamille oder Nicotinamid.

Ein Produkt zur Regeneration der Haut enthält: Allantoin, Johannisbeersamenöl oder Vitamin A.

Die Art deines Produkts bestimmt die Basis der Rezeptur:

Ist es ein wasserfreies Produkt, besteht es daher ausschließlich aus lipophilen Rohstoffen wie Ölen und Butter?

Oder ist es ein Toner, ein Spray oder ein ausschließlich wasserbasiertes Produkt?

Oder besteht das Produkt aus beidem, Wasser und Fett, und entspricht demnach einer Emulsion?

Orientiere dich auch hier wieder an den Grundrezepturen. Die Basisrohstoffe machen üblicherweise 60 bis 80 % deines Rezepts aus!

Definiere in diesem Schritt noch keine konkreten Inhaltsstoffe, sondern zunächst die Gattung deiner Wirkstoffe.

Ist es ein wasserfreies Produkt, solltest du:

lipophile, fettlösliche Wirkstoffe wählen und keine wasserbasierten Wirkstoffe einsetzen (also Mazerate statt Hydrolate, fettlösliches Vitamin E statt wasserlösliches Vitamin B).

Ist es ein rein wasserbasiertes Produkt, dann:

definiere, ob du Alkohol in deinem Produkt enthalten haben möchtest und Tinkturen einsetzen kannst oder lieber ein alkoholfreies Produkt mit Glycerinextrakten haben möchtest (Werden die Wirkstoffe im Pflanzenmaterial durch Alkohol oder Glycerin gelöst?).

Die Wirkstoffe machen üblicherweise bis zu 10 % deines Rezepts aus. Bedenke, dass eine höhere Wirkstoffphase als 10 % dein Produkt instabil machen kann.

Notiere dir, welche funktionalen Inhaltsstoffe dein Produkt benötigt: Ist ein Emulgator notwendig, weil Wasser und Fett enthalten sind? Benötigst du einen Lösungsvermittler, Verdickungsmittel, Feuchthaltemittel?

Orientiere dich auch hier an den Angaben in den Grundrezepturen.
Funktionale Inhaltsstoffe werden immer sehr ähnlich dosiert: Antioxidanzien mit 0,2 bis 1 %, Lethicin mit 1 bis 10 %, Xanthan mit 0,1 bis 0,5 %.

Benötigt dein Produkt ein Konservierungsmittel oder ist es ein wasserfreies Produkt, welches Antioxidantien erforderlich macht? Wird voraussichtlich der pH-Wert deines Produktes optimiert werden müssen und benötigst du dazu Zitronen- oder Milchsäure?

Beinhaltet deine Produktidee Düfte wie ätherische Ölmischungen oder Aromen wie natürliche Waldbeere oder Vanille? Möchtest du deiner Ölmischung Mazerationsprodukte wie Blüten oder Hölzer beifügen?

Wie wäre es mit einem Glasflakon, einer außergewöhnlichen Verpackung oder einem Zusatz, welcher bislang keine Erwähnung gefunden hat?

Tipps & Tricks

  • Ein Rezept schreiben ähnelt Sudoku: Man startet mit ungefähren Prozentangaben der Rohstoffe und addiert alle Prozentangaben zunächst auf 100 %. Dann folgt der Feinschliff: Fügt man an einer Stelle ein paar Prozent hinzu, muss man sie an anderer Stelle wieder abziehen. Stetig wird dabei kontrolliert, ob es sich bei den Einsatzkonzentrationen um sinnvolle Mengen handelt. Scheint das eigene Rezept stimmig, beginnt man mit dem ersten Rührvorgang.
  • Rühre zunächst kleine Chargen, um bei einem Fehlschlag keine Rohstoffe zu verschwenden. Erst wenn du dir bei deinem Rezept sicher bist und es fertig ist, solltest du größere Mengen herstellen!