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Ärztliche Infos

Was ist eine Periorale Dermatitis?

10 Minuten Lesezeit 1. September 2021

Ursächlich scheint eine Irritation der Gesichtshaut durch eine „Überpflege“ zu sein, beispielsweise durch vermehrte (zu aggressive) Reinigung und/oder durch einen übermäßigen Einsatz von Kosmetika

Frau Dr. med. Anne Gürtler arbeitet als Hautärztin und Ernährungsmedizinerin an der dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Sie ist Teil des ärztlichen Teams der Akne und Rosazea Spezialsprechstunde sowie der Abteilung für operative und ästhetische Dermatologie. Ihre wissenschaftliche Arbeitsgruppe erforscht im Rahmen von klinischen Studien den Einfluss der Ernährung auf den Schweregrad von Hauterkrankungen. Unter dem neuen Abschnitt ärtzliche Infos der nkm Seite beantwortet Sie dermatologische Fragen und spricht ernährungsmedizinische Empfehlungen für eine gesunde Haut aus. Ihrem klinischen Alltag kann man auf Instagram unter @dermahealthnutrition folgen.

Dr. med. Anne Gürtler

Was ist eine Periorale Dermatitis?

Flächiges Erythem, Papel, Pusteln und eine feinlamelläre Schuppung um den Mund herum (lat. perioral) oft mit Beteiligung des Kinns und der Nasolabialfalten begleitet von Brennen und Spannungsgefühl – das beschreibt eine Periorale Dermatitis (umgangssprachlich Mundrose).

Ursächlich scheint eine Irritation der Gesichtshaut durch eine „Überpflege“ zu sein, beispielsweise durch vermehrte (zu aggressive) Reinigung und/oder durch einen übermäßigen Einsatz von Kosmetika. Zur Linderung der Beschwerden wird schnell zu Glukokortikoid-haltigen oder antibiotischen Cremes/Salben gegriffen. Insbesondere beim Absetzen kommt es dann jedoch zu einem erneuten Aufblühen der Symptomatik. Daraufhin wird erneut vermehrt gepflegt und gereinigt, was schließlich in einen Teufelskreis endet.


 

Wie entsteht die charakteristische Aussparung um das Lippenrot?

Bei genauer Begutachtung einer perioralen Dermatitis zeigt sich eine freie Zone, der unmittelbar an das Lippenrot angrenzenden Hautzone. Hier fehlen die sogenannten Vellushaare, die bei einer perioralen Dermatitis befallen sind. Ein Vellushaar ist das normale Oberflächenhaar. Es ist zart und wenig pigmentiert. Am Kopf, den Augenbrauen, Wimpern, Achseln und Intimberiech wandelt es sich in ein pigmentiertes und dickes Haar um.

 

Schwarzteeumschläge bei starkem Spannungsgefühl

  • 2-3 Beutel reinen Schwarztee etwa 10-15 Minuten ziehen lassen (kein parfümierter Tee wie z.B. Earl Grey)
  • Nach Abkühlung mit einem Leinentuch 10-15 Minuten auf dem betroffenen Areal einwirken lassen
  • Die enthaltenden Gerbstoffe des Tees lindern das Ziehen, Brennen und Spannungsgefühl

 

„Null-Therapie“ – auch wenn es sehr schwerfällt

Ein erfolgreicher Therapieansatz basiert auf der Entwöhnung der zuletzt verwendeten Kosmetika, insbesondere von Glukokortikoidexterna. Für die Reinigung des Gesichts empfiehlt sich Wasser oder die sparsame Verwendung von Syndets. Das Gesicht sollte mit einem sauberen Handtuch abgetupft werden, ohne zu reiben. Parfums sollten gemieden werden. Wenn eine „Null-Therapie“ nicht durchsetzbar ist, können antientzündliche verschreibungspflichtige Präparate der Gruppe der Calcineurininhibitoren eingesetzt werden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine konkreten evidenzbasierten ernährungsmedizinischen Empfehlungen bei einer perioralen Dermatitis. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine Substitution mit Zink bei einem bestehenden Mangel die klinischen Symptome lindern kann.