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Begonnen hat alles im Kundensupport, inzwischen ist sie NKM Redakteurin: sie sammelt wichtige Fragen, spricht mit Experten und bereitet spannende Themen rund um NKM für euch auf.

Anne
NKM Redakteurin

Ich liebe diese Möglichkeit frische Pflanzenwasser als Inhaltsstoff in meiner Naturkosmetik zu verwenden. Denn die selbsthergestellten Hydrolate sind von sehr hoher Qualität, vorausgesetzt man arbeitet sorgfältig. Und Spaß und Abwechslung bringt es auch!

Leonardo da Vinci hat sich im 15. Jahrhundert intensiv mit der Herstellung von ätherischen Ölen und Hydrolaten auseinandergesetzt. Noch heute gibt es verschiedene Hersteller, welche Destillen nach seinem Entwurf aus Kupfer nachbauen. Ich möchte euch das Prinzip der Leonardo-Destille genauer erklären und euch durch meinen Destillationsvorgang führen.

Destillieren à la Da Vinci

Wozu selbst destillieren?

Hydrolate entstehen eigentlich als Nebenprodukt bei der Wasserdampf-Destillation von ätherischen Ölen. Sie enthalten also die wasserlöslichen, und einige fettlöslichen Inhaltsstoffe der jeweiligen Pflanze, im Gegensatz zu den ätherischen Ölen, die ausschließlich die fettlöslichen Inhaltsstoffe der Pflanze enthalten. Allgemein werden Hydrolate gerne zur Gesichtspflege eingesetzt. Sie eignen sich aber auch hervorragend für Kompressen z.B. bei Insektenstichen und bieten auch die Grundlage für Deos oder Haarwässer sowie selbstgemachte Naturkosmetik aller Art. Das Tolle an Hydrolaten ist die besonders milde Wirkkraft. So können auch Kinder, schwangere Frauen, Senioren oder sensiblen Menschen von den vielseitigen Hydrolaten profitieren.

Das Prinzip der Wasserdampf-Destillation

Die Destillation mit Wasserdampf entspricht immer dem gleichen Prinzip, auch wenn sich die Konstruktion der Destillen im Detail unterscheiden kann. Die Leonardo-Destille besteht aus einem Kessel und einem Aromakorb mit Füßen, einem Zwischenstück, einer Kühlkuppel und zwei Schläuchen für den Wasserkreislauf. Der Aromakorb wird mit seinen Füßen in den Kessel gestellt, ohne dass das Pflanzengut im Wasser liegt (die sog. indirekte Destillation). Anschließend wird das gefilterte Wasser im Kessel zum Kochen gebracht, wodurch der Wasserdampf durch den Aromakorb nach oben zieht und die wasserdampf-flüchtigen Stoffe aus dem Pflanzengut löst. Der Wasserdampf steigt weiter nach oben und kondensiert an der gekühlten Metallfläche der Kühlkuppel, und läuft schließlich durch die Rinne aus dem Dampfrohr noch außen. Dort werden die Tropfen mithilfe eines Becherglases aufgefangen.

Die Geschichte der Wasserdampf-Destillation

Schon in der Antike wurde viel destilliert. Die ältesten Darstellungen von Destilliergeräten wurden bei archäologischen Ausgrabungen gefundenen und werden auf ein Alter von über 5500 Jahren geschätzt. Vermutungen zufolge wurde im europäischen Raum erstmals destilliert, die Araber verbesserten dann diese Methode und entwickelten daraus die heute bekannte Wasserdampfdestillation. Leonardo Da Vinci griff im 15. Jh. die Idee auf und entwarf die sogenannte Leonardo-Destille aus Kupfer, die auch heute noch eine der effizientesten Methoden für die Gewinnung von ätherischen Ölen und Hydrolaten ist. Sie ist ebenfalls die am Besten geeignetste Destille für Selbstrührer. Kupfer wird heutzutage immer noch gerne verwendet, da es Bakterien entgegenwirkt und die Hydrolate so länger haltbar macht. Dennoch geriet die Wirkung von ätherischen Ölen und Hydrolaten sehr stark in Vergessenheit. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man die Heilkraft von ätherischen Ölen wieder.

Die Destille

Ein Hydrolat ist per Definition ein Destillat, was bedeutet, dass es durch die Wasserdampf-Destillation gewonnen wurde. Damit sich die Mühe der Destillation später im Ergebnis lohnt, sollte man in eine entsprechend professionelle Destille investieren. Zwar gibt es verschiedene DIY-Methoden im Internet zu finden, beispielsweise für die Destillation im Kochtopf oder in der Espressokanne, allerdings ist mit diesen Methoden kaum ein so hochwertiges, reines und lang haltbares Endergebnis zu erlangen, wie tatsächliche Destillen sie erreichen. Ihre recht kompakte und platzsparende Bauweise ist für das Destillieren im privaten Rahmen optimal. Wenn du also regelmäßig deine eigenen Hydrolate herstellen und verwenden möchtest und dich für die Verarbeitung von Pflanzen interessierst, lohnt sich die Anschaffung einer Destille allemal!

Klassische Hydrolate zum selber Destillieren – Wirkung und Anwendung

Kamillen-Hydrolat

  • entzündungshemmend, juckreizstillend, reinigend, antibakteriell

Das Hydrolat wird oft für verschiedene Hautprobleme und/oder als Gesichtswasser beispielsweise zum Erfrischen und Kühlen von entzündeter Haut verwendet. Es eignet sich ebenfalls zur Reinigung von Akne-Haut, denn es unterstützt die Wundheilungsfunktion der Haut. Das Kamillenhydrolat hilft ebenfalls gegen trockene, gereizte Kopfhaut und kann so Schuppen reduzieren. Die Kamille gilt auch als der Star in der Baby- und Brustpflege, z.B. nach dem Stillen auf wunden Hautarealen. Auch in der Aromatherapie wird die Kamille aufgrund ihrer beruhigenden Wirkung geschätzt und zahlreich verwendet. Wir nutzen das Kamillenwasser im bald erscheinenden probiotischen Konzentrat.

Lavendel-Hydrolat

  • beruhigend, ausgleichend, reinigend, desinfizierend, regenerierend

Das Hydrolat eignet sich wunderbar als erfrischendes und ausgleichendes Gesichtswasser, ebenso bei fettiger und unebener Haut. Lavendel kann ebenso helfen,  die Regeneration nach einem Sonnenbrand zu unterstützen. Auch bei fettigen Haaren kann es Abhilfe schaffen, wenn man sich nach der Haarwäsche oder auf trockene Kopfhaut Hydrolat aufsprüht und einmassiert. Ebenfalls gerne genutzt wird das Hydrolat um Abhilfe bei akuten Insektenstichen zu schaffen. Wie auch schon die Kamille ist auch Lavendel in der Aromatherapie oder auch zur Raumbeduftung sehr beliebt und wirkt hier ausgleichend und schlaffördernd.

Rosmarin-Hydrolat

  • belebend, aktivierend, durchblutungsfördernd, erfrischend

Auch vom Rosmarin Hydrolat wollte ich euch berichten, denn im Gegensatz zu den anderen vorgestellten Hydrolaten wirkt es nicht ausgleichend, sondern anregend und aktivierend! Gerne wird es auch in der Hautpflege am Morgen gegen müde Haut oder als Haarwasser verwendet, da es durch die angeregte Durchblutung der Kopfhaut Haarausfall entgegenwirken kann. Es bewirkt einen Detox des Körpers und wird daher auch gerne in Entschlackungskuren eingenommen. Nach einer langen Wanderung ist ein Rosmarin-Fußbad außerdem eine echte Wohltat für müde Füße.

Schritt für Schritt: Zuhause destillieren

Wichtige Tipps

  • Lass die Destille nicht unbeaufsichtigt, damit sie nie leer fährt und sich überhitzt.
  • Eine gute Orientierung für die Verwendung des Pflanzenmaterials ist die 1:1-Destillation (100 g Pflanzenmaterial ergeben 100 g/ml Destillat). Achtung: Bei getrocknetem Pflanzenmaterial ist der Ertrag ergiebiger. Wird der Geruch während des Destillationsvorganges schwächer oder wird der pH-Wert des Hydrolates alkalischer, sollte man den Vorgang beenden.
  • Verwende hochwertiges, weiches Wasser oder stilles Quellwasser. Gut eignet sich auch gefiltertes Wasser, wie ich es verwende. Da das Wasser während des Destilliervorganges destilliert wird, ist kein destilliertes Wasser notwendig.
  • Es dürfen keine größeren Hohlräume im Pflanzengut bzw. im Aromakorb auftreten. Statt jedoch das Pflanzenmaterial zu zermahlen (Sauerstoffkontakt des Zellsafts fördert oxidative und enzymatische Prozesse) sollte man Blätter und Blüten, wenn nötig, ein wenig mit einem scharfem Messer zerkleinern.
  • Achte während des ganzen Prozesses auf höchste Sauberkeit! Desinfiziere alle Behältnisse sorgfältig. Am Ende ist im schlimmsten Fall die Mühe umsonst.
  • Hydrolate mit hohem Schwebstoffanteil, die den mikrobiellen Verderb begünstigen, sollten gefiltert werden.
  • Nachträgliche Änderungen im pH-Wert deuten darauf hin, dass dein Hydrolat abläuft. Lagere die Hydrolate konstant gleich kühl, dunkel und vermeide häufiges Öffnen. Ideal ist die Aufbewahrung im trockenen Keller oder im Kühlschrank.
  • Hydrolate reifen. Meist verarbeite ich sie erst einige Zeit später, denn erst nach ca. 4-6 Wochen verändert sich das fertige Hydrolat nicht mehr im Geruch.

Flaschen desinfizieren 

Absolut sauberes Arbeiten ist für die Qualität und Haltbarkeit des Hydrolat unglaublich wichtig. Desinfizierte Sprühköpfe sind auch für eine regelmäßige Verwendung super geeignet, da man sich das vollständige Öffnen und spart und so die Gefahr der Verkeimung minimiert. Wenn du dir unsicher bist, wie du am Besten desinfizieren solltest, schau dir am Besten nochmal mein IGTV dazu an.

Das Destillieren

Los geht’s. Zuerst muss der Aromakorb mit dem gewünschten Pflanzengut zu ca. 4/5 befüllt werden. Dieser wird dann in den untersten Teil der Destille, den Kessel, gestellt. Anschließend wird das gefilterte Wasser in den Kessel über das Pflanzengut zu ca. 2/3 gegossen. Achtung: Die Pflanzen dürfen nicht mit Wasser bedeckt sein. Dann kann die Destille zusammengesetzt werden. Auf den Kessel kommen das Zwischenstück und schließlich noch der Kühlerteil oben drauf. Zu guter Letzt werden die Schläuche angeschlossen, um einen Kühlkreislauf zu gewährleisten. Das geht beispielsweise ganz einfach am Waschbecken. Wenn du dir Sorgen um die Wasserverschwendung machst, kannst du auch viele Eiswürfel oder Trockeneis zur Kühlung verwenden (regelmäßig nachgeben) und dir so den Wasserkreislauf sparen. Dann kann das Wasser unten im Kessel zum Kochen gebracht werden. Wenn die ersten Tropfen in deinem Gefäß ankommen, kann die Herdplatte auch wieder etwas runter gedreht werden. Wenn du merkst, dass der Geruch weniger wird, kannst du aufhören zu destillieren. Lass die Destille niemals leerlaufen.

Hydrolate aus Pflanzen mit hohem Öl-Anteil haben später einen sichtbaren Ätherisch-Öl-Anteil. Hervorragendes Hydrolat z.B. aus Lavendel zeigt beim Schütteln unzählige Tröpfchen des ätherischen Öls – eine solche Qualität ist nur in kleinen Mengen und fast nur selbst herstellbar. Diese Hydrolate sind außerdem besonders lange haltbar. Alternativ kann man sie in einem Gefäß mit schmalem Hals auffangen, um das ätherische Öl vorher mit einer Pipette abzuziehen. Hier kommt es ganz auf die Pflanze und die von dir gewünschte spätere Verwendung an.

Die Dokumentation des Destillationhergangs

Wenn ihr, so wie ich, regelmäßig destillieren möchtet und eure Hydrolat-Qualität nach und nach verbessern wollt, ist es unbedingt notwendig jeden Destillationsvorgang genau zu dokumentieren. Wann habt ihr welche Pflanze in welcher Form mit wie viel Wasser destilliert? Was ist euch dabei aufgefallen, was ist gut gelaufen und was muss vielleicht beim nächsten Mal noch verbessert werden? Macht euch einige kurze Notizen, nummeriert eure Hydrolate durch und beschriftet die Flasche und ihr habt ganz bald Hydrolate in absoluter Profi-Qualität.

Zweifach Destillieren – sinnvoll oder nicht?

Manche Hydrolate, wie beispielsweise Rosenhydrolat, werden traditionell zweifach destilliertGenannt wird das Ganze Kohobation und die Methode wird deshalb gern angewandt, um einen stärkeren Duft beim Endprodukt zu erzeugen. Das liegt daran, dass bei der ersten Destillation Teile der wasserlöslichen Komponenten, welche jedes ätherische Öl in Teilen enthält, in der Lösung bleiben und so noch nicht als ätherisches Öl gewonnen werden können. Darum wird ein zweites Mal destilliert, das heißt, wir geben das einmal destillierte Pflanzenwasser nochmal in den Kreislauf. Denn erst wenn es sich an wasserlöslichen Komponenten anreichert und schließlich mit diesen gesättigt ist, bildet sich schließlich eine separate Schicht ätherischen Öls auf dem Hydrolat.

Es gibt unterschiedliche Meinungen im Bezug auf die Kohobation. Viele sehen die mehrfache Destillation des Hydrolats als Qualitätsmerkmal und durch die erhöhte Konzentration an ätherischen Ölen gewinnt es außerdem an Haltbarkeit. Allerdings kann auch jede Erhitzung Substanzen verändern und sich so teilweise negativ auf das Gesamtergebnis auswirken. Mit etwas Erfahrung kann hier aber jeder den besten Weg für sich herausfinden, je nach destillierter Pflanze und gewünschter Anwendung.

Beim Kauf zweifach destillierten Pflanzenwassers sollte man recherchieren, ob das Hydrolat zur Gewinnung ätherischen Öls entstand: Meist entziehen die Produzenten dem zweifach destilliertem Hydrolat das ätherische Öl und mindern so die Qualität. Scheut euch nicht nach den genauen Spezifikationen eures gekauften Hydrolates zu fragen!

Haltbarkeit von DIY – Hydrolat

DIY – Hydrolate sind von besonders hoher Qualität, wenn gewissenhaft gearbeitet wird. Sie sind natürlich unschlagbar frisch und anders als die meisten frei verkäuflichen Hydrolate kein „Abfallprodukt“ bei der Herstellung von ätherischen Ölen. Nicht konservierte Hydrolate sind bei penibler Abfüllung und guter Lagerung sogar bis zu über einem Jahr haltbar. Es ist aber auch möglich mit einem naturkosmetischen Konservierer, zum Beispiel Weingeist oder Pentylene Glycol, die Haltbarkeit zu verlängern.

Fazit

Um Hydrolate oder ätherische Öle selbst zu extrahieren benötigt man natürlich einiges an Know-How und richtiger Ausstattung. Allerdings ist das Ganze kein Hexenwerk und ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass man bei jedem Vorgang dazu lernt und so seine eigene Qualität schnell verbessert. Denn letzten Endes ist es einfach unheimlich spannend nicht nur zu wissen, wie der Pflanzenwirkstoff gewonnen wird, sondern es auch live mitzuerleben. Viel Freude beim Destillieren und berichtet mir gerne von euren Erfolgen und Erfahrungen, ich bin gespannt!